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  Mafia 2 (Test)
 
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Mafia 2

Open-World-Spiele wie GTA oder Der Pate ziehen uns erstaunlich oft auf die illegale Bahn, da bildet auch Mafia 2 keine Ausnahme. Lohnt sich der Eintritt in die ehrenwerte Familie?


Bildergalerie





Die Mafia wird weltweit an allen Fronten von den Strafverfolgungsbehörden bekämpft, und so anrüchig wie ihre illegalen Machenschaften sind, so faszinierend wirken sie in Büchern, Filmen und Spielen. Im Jahr 2002 griff Illusion Softworks mit Mafia nach dem Familienthron und lieferte einen Titel ab, der an Abwechslung und Geschichte seinerzeit keine Konkurrenz zu fürchten brauchte. Trotzdem gab es natürlich Kritikpunkte, so schieden sich die Gemüter an einem Autorennen, das der Spieler absolvieren musste und das notorischen Fußgängern mit seinem Schwierigkeitsgrad zahlreiche Haare kostete oder gar zum Spielabbruch führte. Derartige Klippen wollte man im zweiten Anlauf bei der inzwischen in 2K Czech umgetauften Entwicklerfirma umschiffen. Dabei werden die beiden Teile kaum miteinander verknüpft, Parallelen zwischen den Geschichten gibt es nur wenige. Schon der Anfang von Mafia 2 ist für ein Spiel im Umfeld der Cosa Nostra ungewöhnlich. Der Hauptcharakter Vito Scaletta und sein Freund Joe Barbaro werden bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt, und während Joe entkommen kann, muss Vito ins Gefängnis. Doch der Zweite Weltkrieg ist im vollen Gange und die USA brauchen Soldaten für die Front, so verschlägt es den Kleinganoven in die alte Heimat seiner Familie. In Italien lernen wir die Steuerung kennen. Vor allem das Deckungssystem spielt eine wichtige Rolle, denn immer wieder geraten wir in Feuergefechte gegen eine Überzahl von Gegnern.


Klassischer Mafiosi-Stoff

Per Knopfdruck hechtet Vito hinter Mauern und kann sich um Ecken herumdrücken, außerdem lässt sich aus der relativen Sicherheit heraus auch schießen. Fängt man sich eine Kugel, regeneriert die Gesundheit in friedlicheren Augenblicken automatisch, allerdings nie bis zum Maximum. Um das zu erreichen, müsst ihr Nahrung zu euch nehmen, die es gratis in Kühlschränken in Wohnungen oder auf der Straße zu kaufen gibt. Kommt jede Hilfe zu spät, muss Vito auf gutes Timing hoffen, denn freies Speichern ist nicht möglich. Stattdessen kommt ein Autosave-System zum Einsatz, das manchmal ungünstig positionierte Speicherpunkte nutzt. Läuft es ganz ungünstig, muss man schon mal Passagen von 15 bis 20 Minuten Länge wiederholen. Im Krieg wird der junge Mann schnell verletzt, kommt zurück in die Staaten und bleibt dank gefälschter Krankenpapiere auch dort. Entgegen Mamas Anraten führt der Weg direkt zurück auf die schiefe Bahn, denn die Familie ist seit dem Tod des Vaters tief verschuldet. Wenn nicht gerade geschossen wird, sitzt Vito meist am Steuer eines Wagens. Einen Großteil der Spielzeit verbringt er auf dem Gaspedal, während die Geschichte weiter läuft. Das Schadensmodell der Fahrzeuge glänzt mit zersprungenen Scheiben, Scheinwerfern, Dellen und Kratzern, außerdem muss man als Fahrer den Benzinstand im Auge behalten und im Falle eines Motorschadens nach Karambolagen auch mal aussteigen und unter die Motorhaube greifen. Die Minimap weist uns den Weg zum nächsten Ziel und ein zuschaltbarer Tempomat sorgt dafür, dass wir nicht versehentlich zu schnell fahren und so auf der Fahndungsliste landen.


Wir wollen Abwechslung!

Während der meist recht ereignislosen Touren hören wir uns an, was der jeweilige Beifahrer zu erzählen hat, erschießen hinterher jemanden und fahren schlussendlich wieder nach Hause. Schon bald schlägt das Schicksal erneut zu, dieses Mal fliegen die Kugeln und einige Polizisten beißen ins Gras. Schnell bekommt Vito Besuch von wenig freundlichen Beamten und fährt mal wieder ein. Im Bau erlebt das altbekannte, anfangs erwähnte Autorennen aus dem ersten Teil seine spielerische Renaissance in Form von Boxkämpfen. Unser Held muss sich im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagen. Im bedrückend glaubwürdigen Ambiente steht er immer schwereren Gegnern gegenüber, wobei der Schwierigkeitsgrad gegen Ende der Strafzeit an der Frustgrenze kratzt, denn die Faustkämpfe sind kein pures Knopfgedrücke, sondern erfordern Taktik und Timing. Natürlich baut Vito im Knast auch neue Beziehungen auf, nicht nur in den Duschräumen, und so tauscht er die schwedischen Gardinen früher als erwartet gegen textile Fensterbehänge aus. Der Zahn der Zeit hat vor Empire City nicht Halt gemacht, so schallt statt Jazz jetzt Rock'n'Roll aus den Boxen der Autoradios. Die Röcke werden kürzer und die Fahrzeuge schneller, was sie auch schwerer kontrollierbar macht. Zur Feier der Freilassung geht es erst einmal gepflegt in den Puff, die Spielfreigabe ab 18 überrascht weder in Deutschland noch in den USA, wenn man die derben Dialoge unterhalb der Gürtellinie berücksichtigt, bei einigen Schimpfwörtern wurden sogar wir rot. Nach dem Genuss der entspannenden Atmosphäre findet sich eine Leiche im Kofferraum, die auf dem "Friedhof" vergraben werden muss. Dabei sticht der größte Schwachpunkt von Mafia 2 zusehends ins Auge: Letztendlich hangelt der Spieler sich streng an der Handlung entlang, die Abwechslung bei den Spiel-Elementen hält sich in Grenzen. Natürlich bricht Mafia 2 immer wieder mit Sequenzen wie der Knastzeit oder einem Rockerkrieg aus dem allgegenwärtigen Muster aus, aber im Gegensatz zu Titeln wie Grand Theft Auto 4 oder Red Dead Redemption dient die offene Welt hier offensichtlich nur als Kulisse. Bowling in der Freizeit oder Hufeisenwerfen hinterm Stall? Fehlanzeige! Durchstreift man die Hinterhöfe der Stadt, die gerade nicht geschichtsrelevant sind, findet man zwar Passanten, aber keine Arbeit, nicht einmal Zerstreuung.


Im Visier der Gesetzeshüter

Die einzige Ausnahme bildet Schrottplatzbetreiber Mike Bruski, der uns geklaute Autos abkauft. Von dem Geld können wir dann legal den Fuhrpark vergrößern, aber wer macht das schon, wenn man jederzeit eine Scheibe einschlagen und den Motor eines fremden Fahrzeuges kurzschließen kann? Weniger auffällig geht es mit Hilfe von Dietrichen zur Sache, mit denen wir nach einem kurzen Minispiel so gut wie jedes Schloss geöffnet bekommen. Überschreiten wir die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 40 Meilen in der Stadt oder 70 auf dem Highway merklich oder ziehen anderweitig die Aufmerksamkeit der Gesetzeshüter auf uns, sollten wir uns rar machen. Sowohl Autos als auch Vito haben einen eigenen Fahndungslevel. So müssen Polizisten schon sehr nahe kommen, um den Gesuchten in einem unbekannten Wagen zu identifizieren. In Werkstätten sorgen neuer Lack und neue Nummernschilder für Sicherheit, und in Klamottenläden lässt sich das Outfit wechseln, um unerkannt zu entkommen. Alternativ kann Vito Steckbriefe entfernen, um seinen Status aufzupolieren und gleichzeitig Belohnungen im Hauptmenü freizuschalten. Drohen doch einmal die Handschellen, sollte man entweder das Bußgeld begleichen oder bei schwereren Delikten Schmiergeld springen lassen.


Opulentes Mafia-Epos

Innerhalb des starren Geschichtskäfiges ist die Welt von Mafia 2 großartig, das Leben von Vito Scaletta hat Kino-Qualitäten, die Grafik strotzt vor Details, die Physik-Engine begeistert. Zumindest, wenn die Hardware stimmt. Läuft das Spiel auf aktuellsten Rechnern mit zwei Nvidia-Grafikkarten, bekäme selbst Newton feuchte Augen, wenn der Schnee von den Dächern beschleunigender Autos weht oder durchschossene Bretter durch die Luft segeln. Doch auch auf weniger zugkräftigen Maschinen sieht Mafia 2 auch mit abgeschalteter Physik-Engine noch immer hervorragend aus. Vom Charakterdesign bis zum Arsenal und Fuhrpark sowie mit Brücken und Wolkenkratzern zeigt 2K, was derzeit Stand der Technik ist. Empire City als Mischung aus New York, Chicago und San Francisco vermittelt mehr amerikanisches Flair als jeder Burgerbräter mit goldenem Doppelbogen. Neben den sammelbaren Steckbriefen finden sich außerdem noch zahlreiche Playboy-Hefte in der Stadt verteilt, ein Lichtblick in Sachen Motivation zur Expedition. Sammelt man diese, werden im Hauptmenü entsprechend ansprechende Bilder freigeschaltet, auf hochwertige und mühsam recherchierte Artikel hingegen hofft man vergeblich. Auch auf der Konsole ist die Mafiatorte überaus schmackhaft. Die Steuerung per Controller funktioniert etwas feinfühliger als per Maus und Tastatur, selbst auf dem PC empfiehlt sich der Einsatz eines Gamepads. Vor allem wenn man statt des normalen Fahrmodells auf Simulation umstellt, ist die zusätzliche Genauigkeit der Steuerung willkommen. Auf den Konsolen fällt jedoch die Grafik etwas ab, vor allem auf der Playstation 3, die Texturen sind weniger scharf und es kommt zu Tearing-Problemen. Charaktere und Autos sehen jedoch auch hier ausnahmslos großartig aus.


Auf einen Blick:
PRO CONTRA
+ große Spielwelt - Empire City dient nur als Kulisse
+ dichte Geschichte - nicht immer faires Speichersystem
+ glaubwürdiges Fahrmodell - kein Leben abseits der Story
+ spannende Kämpfe
+ tolle Grafik
+ atmosphärischer Soundtrack  
+ großartige Sprecher  






















Fazit
Vitos Vita ist fesselnd und es macht Spaß, am Leben abseits des rechten Weges teilzuhaben. Die Atmosphäre in Empire City sucht ihresgleichen, dafür sorgen nicht nur die zauberhafte Skyline, die großartige Grafik und die zeitgenössische Mode, auch der Soundtrack der drei Radiosender beschwören den richtigen Zeitgeist. Von Swing bis Rock'n'Roll unterhalten uns Stars ihrer Zeit wie Dean Martin und versüßen uns die manchmal recht langen Fahrten. Die dichte Geschichte mit ihren unterhaltsamen Wendungen ist nach rund zehn Stunden von den höchst professionellen Sprechern zu Ende erzählt und der Schluss nicht in allen Belangen befriedigend, einige offene Plots schreien förmlich nach Download-Inhalten. Wer jedoch ein Open-World-Spiel wie GTA oder Red Dead Redemption sucht, wird von Mafia 2 enttäuscht. Verlässt man die starren Pfade der Geschichte, findet man eine hübsche Kulisse ohne Inhalt vor, Empire City wirkt, als sollte es ursprünglich mal ein riesiger Themenpark werden. Letztendlich scheint es aber nur für einen Sandkasten mit Klettergerüst und Rutsche gereicht zu haben. Hier lässt es sich für eine Weile sehr gut aushalten, aber wenn man das zehnte Mal auf dem Boden landet, lässt der Reiz der Rutschpartie auch nach und man sehnt sich nach anderweitiger Unterhaltung.


Testergebnis

Spielwertung: 85%






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