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  Alan Wake (Test)
 
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Alan Wake

Horror-Mär des Jahres Wenn der Urlaub nicht gesundet, sondern irre macht! 360-exklusiv reserviert sich der an Alpträumen leidende Schriftsteller Alan Wake ein Plätzchen in Eurer Konsole. Jetzt bloß nicht kneifen - schließlich hattet ihr fünf Jahre Zeit, euch auf den Psycho-Thriller vorzubereiten.


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Wer fünf Jahre an einem Titel schraubt, muss sich am Zeit- und Geldaufwand messen. Die ungewöhnlich lange Entwicklungszeit und die Geheimniskrämerei Microsofts, die Alan Wake als ihren wichtigsten Titel des laufenden Jahres ausrufen, erhöhten zwangsläufig unsere Vorfreude auf ein ungesundes Maß. So funktioniert eben Marketing. Was wir aber nicht ahnten: Der spielbare Psychothriller ist ein Segen für die als Kinderkram belächelte Videospielbranche und markiert nach Sonys Heavy Rain einen weiteren Schritt Richtung ernstzunehmender Unterhaltung. Selten war ein Spiel erwachsener, selten spannender, selten cleverer inszeniert.


Story - das Mittel ist das Ziel

Das finnische Studio Remedy Entertainment (Max Payne) hat eine Vision: Endlich eine richtige Geschichte in einem Videospiel zu erzählen und dem Spieler nicht nur Versatzstücke vorzuhalten, wie zum Beispiel in der Silent Hill-Reihe. Stundenlang durch Korridore herum zu irren ohne zu wissen, was eigentlich Sache ist? Nein Danke. Und so ordnet Remedy auch alles dem erzählerischen Konzept unter. Dadurch erreicht Alan Wake einerseits eine meisterhafte Atmosphäre, andererseits gibt das Horrorspiel eine verwundbare Seite im Spielkonzept frei, die es klar zu kritisieren gilt. Doch dazu später mehr.


Das kenn ich doch?!

Der namensgebende Held Alan Wake ist ein gefeierter Schriftsteller, der allerdings seit zwei Jahren an einer Schreibblockade leidet. Daher fährt er zusammen mit seiner Frau in das beschauliche Bergnest Bright Falls im amerikanischen Nordwesten, um Urlaub zu machen und Inspiration zu erlangen. Statt Erholung erwartet Alan allerdings ein handfester Streit mit seiner Angetrauten, die einen örtlichen Facharzt konsultierte. Der soll die Schreibblockade lösen und gleichzeitig Alans Alpträume behandeln. So einen Traum spielt Ihr gleich zu Beginn als Tutorial: Auf dunkler Straße rast euer Held viel zu schnell mit dem Auto und übersieht einen Fußgänger. Bamm! Der Passant bleibt tot auf der Straße liegen, Alan ist geschockt. Doch statt in Schreckstarre zu verfallen, hetzt er in der nächsten Szene auf der Flucht vor einer Spukgestalt zu einem nahe gelegenen Leuchtturm . Alan erinnert sich: Hat er diese Szene nicht selbst in einem seiner Romane beschrieben?


Horror-Steuerung

In den ersten Minuten erfahrt ihr die Grundlagen der Steuerung. Mit dem linken Schulterbutton rennt euer Alter Ego und weicht in Kombination des linken Analog-Sticks feindlichen Angriffen aus. Das geschieht mit dem richtigen Timing in cooler Zeitlupen-Pose. In roten Notfallkästen finden wir alles, was Alan zum Überleben braucht: Pistolen, Munition und Batterien. Mit Letzteren ladet ihr die Taschenlampe, euer wichtigstes Utensil. Denn schnell lernen wir, dass Dunkelheit euer größter Feind ist. Feinde schützen sich in der Schwärze der Nacht wie mit einem Energieschild. Wollt ihr den Widersachern an den Kragen, strahlt ihr sie zunächst mit dem Kegel der Taschenlampe an und reduziert so deren Schutzmantel. Erst dann sind sie mit konventionellen Waffen verwundbar. Neben einer Pistole sammelt ihr bis zu drei verschiedene Gewehre auf, von denen ihr allerdings immer nur eines gleichzeitig tragen dürft. Höchst praktisch sind auch Leuchtpistole und Blendgranaten, die mehrere Gegner gleichzeitig erledigen. Feinde lösen sich übrigens nach ihrem Ableben restlos auf und hinterlassen nichts. Daher erscheint Alan Wake auch mit einer USK-16-Freigabe. Laut Microsoft ist das Spiel mit nur insgesamt 33 Schuss zu lösen. Denn die meiste Zeit ist Alan Wake eh auf der Flucht.


Nicht eine große Frage, viele

Der Streit mit seiner Frau hat verheerende Folgen. Die Ereignisse überschlagen sich, als Alan mit ansehen muss, wie seine Angetraute in den Tiefen eines Bergsees verschwindet, als ob etwas sie auf den Grund ziehen würde. Alan springt hinterher ins kühle Nass, erwacht wenig später aber in seinem Auto - nach einem Unfall. Der Autor merkt: Ihm fehlt eine Woche. Was ist in dieser Zeit geschehen, wo ist seine Frau und warum wird er vom FBI gejagt? In sechs Kapiteln werden diese Fragen behandelt, beantwortet und durch neue Erkenntnisse sowie übernatürliche Ereignisse hinterfragt. Dabei erkundet ihr Bright Falls auch bei Tage. In diesem Fall setzt das Spiel primär auf die Fortführung der Geschichte durch Dialoge mit Anwohnern und leitet neue Schauplätze wie das Stadtgefängnis, einen Staudamm oder eine abgelegene Farm von Altrockern ein. Die meiste Zeit hastet ihr aber im Dunkeln durch dichte Wälder, die Bright Falls umringen. Die Waldstruktur ist zwar linear und bietet nur spärliche Abzweigungen, in denen ihr geheime Waffenlager findet, die Flora ist allerdings fantastisch designt. Ein Wald war nie toller modelliert als in Alan Wake. Gepaart mit den besten Lichteffekten der letzten Jahre zieht die visuelle Pracht einen großen Batzen an Atmosphäre.


Das mysteriöse Dunkel

Eine mysteriöse Macht will Alan davon abhalten, das dunkle Geheimnis zu lösen und seine Frau wieder zu befreien. Also werden eurem Held zahlreiche Feinde vorgesetzt, die ihr wie oben beschrieben mit Licht schwächt und mit Blei siebt. Grundsätzlich teilt sich das Feindbild in menschenähnliche Schattenwesen und Poltergeister, sprich "bessenene" Fahrzeuge wie Bagger oder Planierraupen und Gegenstände wie Kisten oder Autoreifen. Schon in der ersten Episode beherrscht Alan Wake die gesamte Fähigkeitenpalette - er ist schließlich ein Mensch und kein Superheld. Gegnerischen Nahkampfangriffen ausweichen und die stets in Gruppen auftretenden Feinde auf die gleiche Weise plätten oder ihnen davonlaufen, das ist das spielerische Konzept von Remedys Psychothriller. Gelegentliche Quick-Time-Events, wenn ihr zum Beispiel einen Stromgenerator anschmeißen müsst, und die wegen der schwammig zu steuernden Vehikel mauen Autofahrten sowie Mini-Rätsel verbergen nicht die begrenzte Spielsubstanz. Doch keine Bange, euch erwartet kein spielerisches Desaster wie bei Alone in the Dark. Von Bugs bleibt Alan Wake verschont, das in Episode 3 und 4 stärker auftretende Tearing fällt kaum ins Gewicht der grafischen Brillanz. Auch gelegentliche Hampelanimationen wie beim Treppenlaufen oder nicht-synchrone Lippenbewegungen während der Dialoge mindern keineswegs den Spielspaß. Denn diese aufgezählten Kleinigkeiten belegen nur, dass für weitere Kritik kein Platz ist angesichts der überdurchschnittlichen Produktqualität.


Der filmische Schriftsteller

Alan Wake nimmt euch mit auf eine filmische Reise und lässt euch im wahrsten Wortsinn an der spannenden Psycho-Horrorgeschichte teilhaben. Der Held findet im Spiel immer wieder Manuskriptseiten, die bevorstehende Ereignisse vorhersagen oder Nebenfiguren charakterisieren, welche die unglaublichen Phänomene nicht einordnen zu vermögen. Das saugt euch nicht nur tiefer ins Geschehen, sondern offenbart auch die vertrackte Metaebene des Spiels. Der Schriftsteller Alan Wake hat angeblich ein Buch geschrieben, deren Ereignisse Realität werden. Immer wieder ruft ihr per Schnellanwahl die gefundenen Manuskriptseiten auf und erkennt darin euer eigenes Handeln. Dazu kommentiert der Held die Geschehnisse und stärkt somit die Bindung des Geschriebenen mit den tatsächlichen Ereignissen. Doch ist das Ende der Geschichte wirklich schon geschrieben? Oder kann Alan seinen eigenen geschriebenen Worten zuvor kommen und seine Frau retten? Immer wieder eingestreute Zwischensequenzen schnüren die Geschichte in ein düsteres Optikkorsett und kokettieren mit Realität und Alpträumen. Was wirklich in Bright Falls geschehen ist, vermag bald nicht mehr nur Alan Wake nicht zu unterscheiden, sondern fordert auch euren Spürsinn - so muss Erwachsenenunterhaltung aussehen!.


Der Erzähl-Oskar goes to...

Clever ist das Erzählkonzept, das sich an TV-Serien wie Lost orientiert. Jede Episode endet mit einer Art Abspann, gefolgt von einem Kurzzusammenschnitt der letzten Ereignisse und Zwischensequenzen. Im Stile von "Was bisher geschah" werdet ihr auf die nächste Folge eingestimmt. Das ist auch bitter nötig: Denn das Spiel lässt euch glücklicherweise nicht bis zum Abspann im sprichwörtlichen Dunkeln tappen, sondern klärt schon früh einige Fragen oder gibt eindeutige Hinweise auf das mysteriöse Geheimnis von Bright Falls. Das motiviert ungemein zum Weiterspielen und macht auch Lust auf die schon jetzt angekündigten DLC-Episoden. Denn natürlich wird nicht alles aufgeklärt. Doch das ist nur umso verständlicher, wenn man sich das Zitat Stephen Kings ins Gehör ruft, mit dem Alan Wake den Spieleinstieg beginnt: "Das Unerklärliche ist am Gruseligsten, weil es uns nachhaltig beschäftigt." Ersetzt einfach "Unerklärliche" mit "Alan Wake" und ihr kommt der Wahrheit etwas näher. Dieses Spiel geht euch definitiv nicht aus dem Kopf.


Auf einen Blick:
PRO CONTRA
+ spannend-düstere Geschichte - einzelne Animation steif
+ dramaturgische Dichte - teils ungenaues Ausweichen
+ überraschende Wendungen - bei Tag zu wenig zu tun
+ Erzählkonzept erinnert an TV-Serien
+ glaubhafte Charaktere
+ spektakuläre Zeitlupen  
+ brillante Verwischeffekte  
+ phänomenale Lichteffekte  
+ hervorragende Musik  
+ sehr gute Sprachausgabe  






















Fazit
Für mich ist Alan Wake ein wegweisendes Stück Software in punkto Erzählkunst. Das Spiel rückt die Geschichte in den Mittelpunkt, entsprechend messe ich das Produkt daran. Dass Gegner ein immer gleiches Vorgehen fordern und die grafisch imposanten Levels recht linear sind, rücken in den Hintergrund, wenn die Spielwelt mich einsaugt, mich mit Alan im Geiste verbrüdert und mitfühlen lässt. Statt einem gewöhnlichen Actionspiel ein paar Gruselversatzstücke auf den Storyleib zu schneidern, geht Remedy volles Risiko und will euch durch eine ungewöhnliche Erzählweise emotional ansprechen. Das gelingt auf ganzer Linie. Alan Wake ist eines der besten Survival-Horrorspiele und für 360-Besitzer nur eines - Pflicht.


Testergebnis

Spielwertung: 90%






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